Schul- und Volkssternwarte Johannes Kepler Crimmitschau
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Highlight des Jahres - Venustransit 2012

von Andreas Fritsche, Frank Andreas, 08.07.2012
NEU: Bildergalerie - Als Transit oder auch Durchgang wird in der Astronomie das Ereignis bezeichnet, bei dem ein Himmelskörper vor einem anderen vorbeizieht. Das diesjährige Ereignis fand in den frühen Morgenstunden des 06. Juni 2012 statt. Und wir hatten Glück mit dem Wetter. Vom Sonnenaufgang an, konnten wir die Venus vor der Sonne sehen.

Die Wetteraussichten waren nicht gut, aber wir hatten Glück. Am Morgen des 6. Juni war der Nordosthorizont fast wolkenfrei. Mit Spannung erwarteten wir den Sonnenaufgang. Und tatsächlich, nur wenige Minuten danach war schon mit Hilfe einer Sonnenfinsternisbrille der kleine schwarze Fleck der Venus vor der Sonne zu erkennen. Noch stark verzerrt durch die Brechung des Lichtes in der Erdatmosphäre konnten wir das kleine schwarze Scheibchen der Venus erkennen. Fotoapparate klickten, wir schauten gebannt auf das Projektionsbild der Sonne an unserem Coudé-Refraktor in der Kuppel der Sternwarte. Zunehmend wurden die Wolken dichter. Gegen 6 Uhr war die Sonne nur noch schemenhaft oder kurzzeitig durch eine Wolkenlücke zu erhaschen. Aber: Wir waren dabei. Das zeitige Aufstehen hatte sich gelohnt.

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Was ist ein Venustransit?

Als Transit oder auch Durchgang wird in der Astronomie das Ereignis bezeichnet, bei dem ein Himmelskörper vor einem anderen vorbeizieht. Bedingung dafür ist, dass sich die beiden Himmelskörper und der Beobachter auf einer gedachten Linie befinden. Bei unserem Ereignis am 06. Juni 2012 sind die Sonne und der Planet Venus die beteiligten Himmelskörper. Nur Planeten innerhalb der Erdbahn, man spricht von den inneren Planeten, können vor der Sonnenscheibe vorbeiziehen. Nach dem Eintritt am Sonnenrand wandert der Planet über die Sonnenscheibe hinweg, bis er schließlich die Sonnenscheibe am gegenüberliegenden Rand wieder verlässt. Im Fall der Venus ist ein solches Ereignis sehr selten, im Zeitraum von 120 Jahren ist dieses nur zweimal beobachtbar. Der letzte Venusdurchgang war im Jahre 2004, doch auf den nächsten müssen wir bis zum Jahr 2117 warten. Aus diesem Grunde haben wir dieses Jahr noch einmal die Chance, mit eigenen Augen ein solch seltenes Naturschauspiel zu verfolgen.

Wie läuft das kosmische Schauspiel ab?

Das diesjährige Ereignis findet in den frühen Morgenstunden des 06. Juni 2012 statt. Leider sind in Mitteleuropa nur ein Teil des ca. 6 Std. dauernden Durchgangs und der Austritt der Venus sichtbar. Zum Zeitpunkt des Eintritts befindet sich bei uns die Sonne noch unter dem Horizont. Der theoretisch frühestmögliche Beobachtungsbeginn ist somit durch den Sonnenaufgang festgelegt. Weiter nördlich liegende Beobachtungsorte kommen hierdurch in den Genuss einer etwas längeren Beobachtungszeit. Außerdem muss freie Sicht auf den Horizont in östlicher Richtung vorhanden sein. Wenn um ca. 05.00 Uhr MESZ in Crimmitschau die Sonne aufgeht, können wir die Venus als kreisrunden schwarzen Punkt auf der Sonne ausmachen. Dieser wird sich nun immer mehr dem Rand der Sonne annähern, bis um 06.31 Uhr MESZ der äußere Venusrand den der Sonne berührt - der 3. Kontakt findet statt. Um 06.49 Uhr MESZ ist das Ereignis mit dem 4. Kontakt und dem völligen Austreten der Venus schließlich beendet. Die Animation (siehe Abbildung oben) von Marc van der Sluys (hemel.waarnemen.com) gibt den Ablauf des Ereignisses wider.

Wie beobachten und was kann man sehen?

Der relativ große Durchmesser des Venusscheibchens macht es möglich, dieses bereits mit dem bloßen Auge auf der Sonne als pechschwarzen Punkt auszumachen (Abb. 1). Dabei gilt es jedoch dieselben Vorsichtsmaßnahmen wie bei jeder Sonnenbeobachtung einzuhalten. Die Sonne nur mit einer Sonnenfinsternis-Brille, spezieller Filterfolie oder mit einer UV- und IR -absorbierenden Schweißerbrille betrachten. Besser sind natürlich Beobachtungen mit einem Fernrohr. Dann kann man auch den 3. und 4. Kontakt gut verfolgen. Der Beobachter kann dann eine "Verbeulung" des Sonnenrandes wahrnehmen. Dieser als "Tröpfchenphänomen" bekannte Effekt wird in der Literatur auf die Venusatmosphäre zurückgeführt. Interessanterweise ist dieser Effekt auf hochaufgelösten Videoaufnahmen nicht zu sehen. Also doch eine optische Täuschung durch geringe Auflösung und Kontrast? Es wird also auch in dieser Hinsicht spannend am 06. Juni 2012. Einen Vorgeschmack auf das Ereignis geben die detaillierten Bilderserien auf unserer Homepage unter Venus vor der Sonne - Venustransit 2004.

001_VT-2012
Kurz vor Sonnenaufgang am Tag des Venustransits. Nur dünne Wolken zieren den morgentlichen Himmel.
Autor: Frank Andreas
002_VT-2012
Sonne und Venus (links oben) auf dem Projektionsschirm des Coudé-Refraktors. Zeit: ca. 05.13 MESZ
Autor: Frank Andreas
Venustransit 2004
Venusdurchgang von 2004 im Fokus eines 80/900 mm – Refraktors mit einer CCD – Kamera Jenoptik c 14.
Autor: Thomas Schmidt
Animation Venustransit
Animation des Venustransits 2012. Zeiten in MESZ.
Autor: Marc van der Sluys